die erste Musica Altona Band 'A.N.D. von 2008.

In der Bürgerstiftung Hamburg wurde, federführend durch Herrn Flitner, die Idee erwogen, einen Instrumentenfonds für Jugendliche einzurichten. In der ganzen Stadt sollten Instrumente als Spenden gesammelt und dann Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden.

Ihnen sollte eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung geboten werden, um gewaltpräventiv und fördernd auf sie einzuwirken.

Diese Grundidee wurde in der Form vorerst verworfen, weil der Personalaufwand zu hoch gewesen wäre. Außerdem war es fraglich, ob die gesammelten Instrumente den Interessen der Jugendlichen entgegenkommen würden. Doch Musik als Chance der Persönlichkeitsentwicklung für Jugendliche anzubieten, da waren sich alle einig, diese Idee sollte weiter entwickelt werden. Durch Kontakte mit Herrn Dieter Uetzmann, er war damals bei der STEG, wurde der Stadtteil Altona-Altstadt - als Sanierungsgebiet damals seiner Betreuung anvertraut - ausgesucht, um diese Idee umzusetzen. Dieser Stadtteil bot sich u.a. an, da es ein funktionierendes Netzwerk von Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit gab.

Im Januar 2002 trafen sich auf Einladung der Bürgerstiftung Hamburg und der STEG Vertreter diverser Institutionen aus dem Stadtteil und die Schulleiter der Schulen Chemnitzstraße und Theodor Haubach Schule.

Daraufhin sprach mich Michael Rieger -Schulleiter an der Louise-Schröder-Schule (damals Schule Chemnitzstr.) - an, wo ich als Musiklehrerin arbeitete. Die Idee den Schülern das Musizieren an Instrumenten zu ermöglichen war schon länger Thema gewesen. Doch es sollten dafür Sponsoren gefunden werden. Wir hatten uns oft darüber unterhalten, so wie man sich eben über eine gute Idee unterhält ... es wäre toll, wenn dies und jenes ginge ... Ich war im Jahre 1997 als Fachlehrerin für Musik an die Grundschule Chemnitzstraße gekommen. Die Schule ist eine integrative Grundschule und weist daher eine sehr heterogene Schülerschaft auf, die sich aber im musikalischen Bereich - wie es Kindern eben eigen ist - sehr offen zeigte und zeigt. Es gab aber auch Kinder ohne elementare musikalische Erfahrungen. Damit meine ich auch Kinder ohne den üblichen background von Volksliedern, Familienfesten oder Popmusik. Sehr wenige Schüler lernten privat ein Instrument - man konnte sie an einer Hand abzählen. Im Rahmen des regulären Unterrichts habe ich (wie auch andere Kolleginnen) Blockflöte, Trommeln oder Gitarrenunterricht angeboten, was jedoch sehr mühsam war, da der Unterricht nicht kontinuierlich und auch nicht allen Interessierten angeboten werden konnte. Durch das aktive Musizieren im Unterricht lernte ich die Kinder immer wieder ganz anders kennen und stellte fasziniert bei vielen einzelnen Schülern erstaunliche "Stärken" fest. Die Kinder bettelten regelrecht "bring mir doch Klavierspielen, Gitarre, Flöte, Trommeln u.s.w., u.s.w. bei".

Für einzelne Projekte habe ich befreundete Musiker gefragt, die kostenlos mitarbeiteten. Einer von ihnen - der Komponist Gino Romero Ramírez - war überaus begeistert vom Anklang, dass das Musizieren bei den Kindern fand. Er drängte immer wieder, "da müsste doch mehr gemacht werden". Eine Zeitlang hatten wir Nachmittags besonders interessierten Kindern eine kostenlose Musiziergruppe in der Schule angeboten. Nun war 2002 durch die Anfrage der Bürgerstiftung und der STEG eine kleine Tür aufgegangen, die zur Verwirklichung dieses Projekts führte.

Ebenso beschäftigten sich Mitarbeiter andere Institutionen und diverse Musiker im Stadtteil mit dieser Idee und beteiligten sich an der Projektvorbereitungsgruppe; selbstverständlich ehrenamtlich. Ein Treffen folgte dem Nächsten, ein Protokoll dem Anderen, ...manchmal war es zum verzweifeln.

Mir kam es so vor, als würde viel geredet und wenig getan werden. Gewiss war diese Nachdenk- / Vorbereitungsphase wichtig. Jedoch drohte es oft, darin stecken zu bleiben. Es war die Rede von sehr viel Geld. Ich hatte das Gefühl, da muss jemand nur das Signal geben, dass es ernst gemeint ist. So setzten wir uns Abend für Abend hin und diskutierten und schrieben Projektentwürfe, in den Schulen, Kitas und anderen Stadtteilinstitutionen. Die Ideen wurden mit Musikern aus dem Stadtteil, mit Kolleginnen und Kollegen durchgekaut, auf Konferenzen und Ausschüssen vorgestellt. Ohne die Rückendeckung im Stadtteil und der Elternschaft hätten wir bestimmt nicht so viel Energie aufbringen können. Alle vermittelten, dass sie dabei sein würden, dass sie es für machbar und wünschenswert hielten.

Dann kamen einige Rückschläge. Eine wichtige Stiftung sagte ab, somit sollte es weniger Geld geben; in den von der Schule vorgesehenen Räume in dem Gebäude wurde Schwammbefall lokalisiert, so dass sie geschlossen werden mussten; im Jugendlichenbereich meldeten sich kaum Jugendliche ... Letzteres verstärkte aber die Überzeugung, dass wir das Musizieren als sinnvolle Freizeitbeschäftigung bei den Kindern anlegen müssten. So würden diese bald zu Jugendlichen herangewachsenen das aktive Musizieren im Stadtteil ausüben.

Die Raumfrage konnten wir dank des fast unendlichen Verständnisses des Hausmeisters lösen. Putzpläne sind kaum verlässlich aufzustellen, Kinder und Eltern toben Nachmittags durch Räumen und Fluren, der ahnungslose Hausmeister soll Auskünfte erteilen, Schlüssel rausrücken, hier und dort aushelfen....

In der Planungsphase kristallisierte sich immer mehr heraus, dass das Konzept - ursprünglich Musikinitiative Altona genannt- eine Vereinsform brauchte, da es ein Stadtteilangebot sein sollte, die Struktur des Schulvereins sprengen würde und auf Dauer selbst Mittel akquirieren und Verträge schließen können sollte. Die Arbeiten, die anfallen und zum großen Teil ehrenamtlich erledigt werden sind unter anderem: Buchhaltung und Belegführung, Einweisung der Spielleiter, Koordination mit Schulen und anderen Institutionen, Überweisungen unterschreiben, Begleitung von Schülern bei Auftritten und im Rahmen von Fundraising - Aktivitäten, unzählige Telefonate entgegennehmen , beantworten, Instrumentenspenden entgegennehmen, evtl. weiterleiten, Anrufe entgegennehmen, Lehrer, Eltern, Hausmeister beschwichtigen..., Treffen einberufen, Auftritte organisieren, wie das alljährliche Neujahrskonzert, Beratungsgespräche für andere Schulen, Institutionen führen, Kurse besuchen, Interessierte Besucher (Spender) zu den Kursen zu begleiten, Flyer mitverfassen, Korrektur lesen, Kontakt zur Bürgerstiftung halten, Vereinsformalia erledigen.

Dies macht allerdings nicht einer alleine. Nach und nach verteilen sich die Aufgaben mehr. Ehrenamtliche sind jederzeit willkommen.

Im Vereinsvorstand arbeiten Patricia Renz / Musiklehrerin; Bethina Walbaum / Musikerin und Marion Wolf-Dietrich / Erzieherin, ehrenamtlich mit. Weitere engagierte Ehrenamtliche bringen sich im Rahmen ihrer zeitlichen Möglichkeiten ein. Bei Veranstaltungen hilft regelmäßig ein Stab von Ehrenamtlichen, zu denen u.a. einige ebenso engagierte Mitarbeiter von Institutionen des Stadtteils und Eltern gehören (Kindertagesstätten, Schulen, u.a.).

Herr Flitner von der Bürgerstiftung Hamburg steht weiterhin dem Verein als gute Seele zur Seite, er berät, schafft Kontakte, packt mit an. Nicht zuletzt die Spielleiter tragen, mit ihrem Engagement zum Gelingen der Idee bei.

(Patricia Renz)